Gemeinden und Missionsorganisationen freuen sich, wenn junge Menschen sich für Mission begeistern. Sie bringen Leidenschaft, Kreativität und den Wunsch mit, Jesus zu folgen. Gleichzeitig zeigt sich aber, dass es, wo verschiedene Generationen zusammenarbeiten, auch Spannungen gibt. Diese haben selten mit fehlendem Glauben oder mangelndem Einsatz zu tun. Oft entstehen sie im Alltag aufgrund von unterschiedlichen Werten und Erwartungen – wie z. B. in den Bereichen Führung, Kommunikation und Beziehung, wo für die einen Loyalität und Geduld und für die anderen Transparenz und Mitsprache wichtig sind. Einige Beispiele zeigen das:
Langsame Rückmeldung
Eine junge Mitarbeiterin übernahm Verantwortung in einem Projekt. Mehrfach bat sie die Leiter um Rückmeldung – doch die Antworten ließen auf sich warten. Schließlich traf sie die Entscheidungen selbst, um voranzukommen. Als das Thema später angesprochen wurde, war die Enttäuschung auf beiden Seiten groß. Die Leitung empfand ihr Handeln als respektlos. Die Mitarbeiterin hingegen hatte das Gefühl: Wenn niemand reagiert, muss ich allein entscheiden. Erwartungen unterschiedlicher Generationen prallten aufeinander.
Regeln, die keiner erklärt
Ein junger Mitarbeiter erhielt klare Vorgaben von der Leitung für seinen Lebensstil in der neuen Kultur – mit der Begründung, dass sich das so seit Jahren bewährt habe, ohne den genaueren Sinn zu erklären. Was für die Leitung selbstverständlich war, fühlte sich für ihn einschränkend an. So entstand eine innere Distanz – obwohl beide mit ganzem Herzen Gott dienen wollten.
“Melde dich, wenn du etwas brauchst”
Nach der Ankunft im Einsatzland hörte ein junger Mitarbeiter diesen Satz mehrfach. Nur ganz wenige Teammitglieder suchten aber aktiv den Kontakt zu ihm – sie wollten ihm Freiheit lassen, so wie sie es selbst früher erlebt hatten. Für ihn fühlte sich diese Freiheit jedoch wie Einsamkeit an. Noch bevor echte Beziehungen entstehen konnten, zog er sich innerlich zurück. Niemand wollte ihn übergehen und doch war genau das geschehen.
Wenn man Probleme lieber für sich behält
Eine junge Mitarbeiterin erlebte Spannungen mit ihren Leitern. Man riet ihr, das direkt anzusprechen. Doch sie hatte die Erfahrung gemacht, dass, wer etwas hinterfragt oder Kritik ausspricht, als „schwierig“ angesehen wird. So entschied sie sich zu schweigen. Nach außen lief alles weiter, innerlich aber wuchs der Frust – ein unsichtbarer Konflikt, der sich langfristig zerstörerisch auswirkte.
Was die Zusammenarbeit zwischen den Generationen stärkt
Viele Generationenkonflikte entstehen aufgrund von unausgesprochenen Erwartungen. Wir können uns jedoch gegenseitig stärken, wenn wir:
- den Sinn erklären, statt nur Regeln weiterzugeben.
- zuverlässig kommunizieren, auch wenn noch nicht alles geklärt ist.
- neue Mitarbeiter aktiv willkommen heißen und begleiten, besonders am Anfang.
- Kritik als Lernchance sehen und nicht als Angriff.
- zuhören, bevor wir andere bewerten.
Mission ist Teamarbeit über Generationen hinweg. Wenn wir einander ernst nehmen, voneinander lernen und Brücken bauen, wird Unterschiedlichkeit nicht zur Belastung, sondern zur Bereicherung.
Wolfgang Pfau lebte mit seiner Frau Ina bisher auf drei Kontinenten; zurzeit mal in Deutschland, mal in Thailand. Beide gehören zum internationalen WEC‑Leitungsteam. Wolfgang liebt Fahrradfahren und Excel-Tabellen.