Ihr habt euch als Ehepaar entschieden, unerreichte Völker zu erreichen. Welche Überlegungen hattet ihr im Blick auf eure Kinder und ihre Schulbildung?
Unser ältester Sohn war sechs Jahre alt, als wir ausreisten. Unsere Kinder sollten eine einheimische Schule besuchen und dort Freunde finden. Gleichzeitig war uns wichtig, ihnen eine gute schulische Grundlage zu geben – auch mit Blick auf ein mögliches späteres Studium.
Um in Deutschland kostenlos studieren zu können, war unser Ziel, sie auf einen anerkannten deutschen Schulabschluss vorzubereiten. Deshalb mussten alle Kinder Deutsch lernen, was sich später auch als Vorteil erwiesen hat. Rückblickend waren wir uns der Tragweite unserer Entscheidung teilweise bewusst – manches konnten wir aber erst im Alltag erfassen.
Unser Plan, die Kinder auf eine einheimische Schule zu schicken, ließ sich langfristig nicht verwirklichen. Wir wechselten schließlich komplett zum Homeschooling (Unterricht zu Hause).
Welche Unterstützung hattet ihr bei diesen Entscheidungen?
Wir wurden sehr gut von unserer Verantwortlichen für Missionarskinder begleitet – sowohl im Gespräch als auch ganz praktisch mit Material, Schulanmeldungen oder beim Übergang unserer Ältesten zum Studium.
Zusätzlich profitierten wir von Weiterbildungen zu „Third Culture Kids”*. Lernhelfer stellten Schulmaterial zur Verfügung, und persönlich war ich dankbar, dass meine Schwester und meine Mutter Lehrerinnen sind und mich besonders bei Lernschwierigkeiten beraten konnten.
Wie war es für euch, eure Kinder auf ein Internat zu schicken?
Das kam für uns ursprünglich nie infrage. Als unser Ältester jedoch beim Homeschooling zunehmend unter Isolation litt, mussten wir neu überlegen. Für uns stand immer fest: Unsere Kinder haben Vorrang vor dem Dienst.
Wir beteten ein halbes Jahr gemeinsam darüber, bis unser Sohn selbst sagte, dass er es versuchen möchte. Die erste Zeit war sehr schmerzhaft, besonders nach den Ferien. Doch wir sahen, wie er aufblühte. Das christliche Internat, in dem Lehrer auch Glaubensvorbilder sind, wurde für ihn zum Segen.
Diesen Sommer geht auch unsere jüngste Tochter ins Internat. Gerade unseren Mädchen hilft die andere kulturelle Umgebung sehr, da eine Jugend in einem islamischen Umfeld für ihre Persönlichkeitsentwicklung sehr einschränkend sein kann.
Trotz allem bleiben die Ferienzeiten kostbar – und der regelmäßige Kontakt per Video ist heute ein großer Trost.
Warum lohnt sich dieses Leben dennoch?
Wir erleben eine viel unmittelbarere Abhängigkeit von Gott. Unsere Kinder haben durch die Herausforderungen einen tiefen Glauben entwickelt. Außerdem verbindet sie untereinander eine außergewöhnliche Nähe.
Welchen Rat würdest du anderen Missionarsfamilien geben?
Flexibel bleiben, kreativ Freiräume schaffen und sich mit anderen Familien zusammentun. Niemand muss alles allein tragen.
Was hat euch rückblickend überrascht?
Obwohl wir uns viel mit „Third Culture Kids“ beschäftigt haben, bleibt es ungewohnt zu erleben, wie wenig „deutsch“ unsere eigenen Kinder sind. Daran wachsen wir noch.
*Third Culture Kids (TCKs) wachsen zwischen mehreren Kulturen auf und bilden daraus eine Drittkultur.
Eine Mitarbeiterin in Südasien, die mit ihrem Mann und ihren 5 Kindern seit 15 Jahren in der Region lebt.
Foto: Symbolbild