Fällt dir auf, dass ältere Damen (im Team und von den Einheimischen) anders behandelt werden als du?
Gelegentlich nehme ich wahr, dass ältere Frauen im Team oder von der einheimischen Bevölkerung anders behandelt werden als ich. Diese Unterschiede beschränken sich jedoch auf die auch in Deutschland übliche Rücksichtnahme gegenüber älteren Menschen. Gleichzeitig ist die Rolle älterer Frauen in Südafrika eine andere: Großmütter nehmen nicht selten die Rolle des Familienoberhauptes ein, da die Männer wenig bis gar nicht präsent sind. Weitere Unterschiede in der Behandlung konnte ich bislang nicht feststellen.
Inwiefern ist es herausfordernd oder bereichernd, mit älteren Teamkollegen zu arbeiten?
Es gibt Momente, in denen die Zusammenarbeit mit älteren Menschen im Team herausfordernd sein kann. Der Generationsunterschied bringt unterschiedliche Welt- und Glaubensansichten mit sich, die sich nicht immer decken. Dennoch gab es bisher keine Situation, über die nicht offen hätte gesprochen werden können. Gerade diesen ehrlichen Austausch empfinde ich als sehr bereichernd.
Gleichzeitig sind die meisten Begegnungen mit den älteren Teammitgliedern einfach sehr schön. Man kann unglaublich viel von ihnen lernen – sei es im Hinblick auf den Glauben oder auf ganz praktische Lebensbereiche wie Kochen oder Waschen. Ihre Meinungen haben für mich ein besonderes Gewicht, da ich sie als sehr weise Menschen erlebe. Zudem habe ich gemerkt, dass mir die Zeit in ihrer Gegenwart hilft, auf eine besondere Weise zur Ruhe zu kommen.
Gibt es etwas Bestimmtes (eine Handlung, eine Geste, etc.) um älteren Teammitgliedern Respekt und Anerkennung auszudrücken? Gibt es so etwas im Umgang mit älteren Einheimischen?
Im Team spielt dies eher eine untergeordnete Rolle, im Umgang mit Einheimischen allerdings schon. In der Zulu‑Kultur zeigt man Respekt, indem man Menschen die Hand gibt oder Gegenstände überreicht, während man den gebenden Arm mit der anderen Hand hochhält. Zudem vermeidet man direkten Augenkontakt, stellt als jüngere Person älteren Menschen nicht viele Fragen und spricht sie mit „Mama XY“ beziehungsweise „Baba XY“ an. Diese Formen des respektvollen Umgangs habe ich insbesondere gegenüber älteren Menschen bewusst beachtet.
Merkst du, dass du manchmal nicht ernstgenommen wirst, weil du noch „zu jung“ bist? Wie äußert sich das?
Diesen Eindruck hatte ich bislang ehrlich gesagt nicht. Ich wurde in viele Gespräche und Themen einbezogen und habe mich stets als ernst genommenes Mitglied des Teams gefühlt. Natürlich gibt es Bereiche, zu denen ich wenig beitragen kann, da ich nur für einen begrenzten Zeitraum Teil des Teams bin und bestimmte Entscheidungen von den Langzeitlern oder der Leitung getroffen werden müssen. Das empfinde ich jedoch als völlig angemessen und nachvollziehbar.
Emma, 20 Jahre, kam gerade von einem einjährigen Kurzzeiteinsatz aus Dundee, Südafrika zurück. Sie liebt Bücher, am besten sind Politikthriller.