Nachgefragt: Was passiert, wenn ein Berliner und eine Italienerin heiraten? 

Nachgefragt bei Emma
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Du, Andreas, bist Berliner und deine Frau Italienerin. Wo macht sich das im Alltag bemerkbar? 
Die Unterschiede zeigen sich besonders beim Essen: In Italien besteht das Frühstück meist nur aus einem Espresso oder Cappuccino. Ich nehme mir morgens dagegen mehr Zeit für Brot, Müsli oder andere nahrhafte Dinge. Beim Abendessen ist es dann genau umgekehrt. 

Gab es in eurer Kennenlernzeit kulturelle Unterschiede, die dich herausgefordert haben? 
Beim Kennenlernen wurde mir die süditalienische Kultur deutlich: Bei jeder Unternehmung musste eine dritte Person dabei sein. Fast für mich unbemerkt wurde ich dann bei einem Treffen der Gemeinde meiner Liebsten „verlobt“, weil es sonst seltsam gewirkt hätte, dass ich meine Ester ohne Anlass besuchte. Die offizielle Bestätigung übernahm meine Schwiegermutter – mit einer Ansage und einer Glückwunschtorte vor allen. 

War eure Hochzeit eher deutsch oder eher italienisch geprägt?  
Unsere Hochzeit war schlicht: ein Traugottesdienst und ein gemeinsames Essen. Typisch italienisch war jedoch, dass die ganze Gemeinde eingeladen war – zusätzlich zu den Verwandten. Für die deutschen Gäste sangen wir zwei traditionelle Lieder, die auch in Deutschland bekannt sind. 

Wie wirkten sich kulturelle Unterschiede bei der Kindererziehung aus?   
Wir haben uns mithilfe christlicher Bücher orientiert und darauf geachtet, die Autorität des jeweils anderen nicht zu untergraben. In Erinnerung an meine eigene Kindheit mit vielen Aktivitäten wie Spaziergängen, Fahrradfahren, Roller Skates und Sport habe ich den gemeinsamen Zeitvertreib sicher etwas „deutscher“ geprägt.  

Was ist für dich, Andreas, an deiner Frau bis heute „typisch italienisch“? 
Ihr Sinn für Schönes – im Haus, beim Essen, in der Kleidung oder anderswo – ist eine besondere Gabe, die bei uns Deutschen weniger ausgeprägt ist. 

 Und was ist an dir selbst, Andreas, „typisch deutsch“?  
Man könnte vielleicht eher „typisch berlinerisch“ sagen, mit meiner direkten, oft derben, und doch herzlichen und humorvollen Art zu kommunizieren. Aber durch meine Jahre in Italien bin ich inzwischen wohl überwiegend italienisch geprägt. 

Habt ihr euch zu Beginn eurer Ehe bewusst kulturell angenähert – oder ergab sich das mit der Zeit von selbst? 
Ich, Andreas, hatte die Berufung, den Italienern zu dienen und mich – aus Liebe zu Gott – bewusst auf ihre Kultur einzustellen. Da wir in Italien lebten, war das selbstverständlich. Umso mehr freute es mich, dass sich meine Frau auch an deutsche Rezepte wie Kartoffelsuppe oder andere Gerichte wagte. So sind wir beide einander entgegengekommen. 

Ihr seid seit 30 Jahren verheiratet. Fallen dir kulturelle Unterschiede in eurer Ehe heute noch auf? 
Durch die süditalienische Verflechtung mit der Großfamilie erfahren wir selbst kleinste Neuigkeiten eines Cousins dritten Grades in Kanada – und nehmen Anteil daran. 

Welche kulturellen Unterschiede empfindest du heute als Bereicherung? 
Eigentlich alle. Mit verschiedenen Optionen – statt nach Schema F – lebt es sich besser. Bei den Fußballweltmeisterschaften gilt: Je nachdem wer gewinnt, sind wir Italiener oder Deutsche. 

Welchen Rat würdest du einem frisch verliebten interkulturellen Paar mit auf den Weg geben? 
Nicht blauäugig in die Zukunft gehen, sondern sich bewusst auf die Herausforderungen einstellen! Schon vor der Hochzeit sollte man zentrale Themen klären: Prioritäten, Verantwortlichkeiten und mögliche Konfliktpunkte – offen und konkret. Für uns ist Christus der Dreh- und Angelpunkt; in ihm finden wir Frieden, persönlich und als Paar.


Ester und Andreas Bader haben 30 Jahre in der christlichen Literaturarbeit in Süditalien gearbeitet. Ihre Freizeit verbringen sie lesend, spazierend oder in der neuen Verlagsarbeit „153fish“. .