Nachgefragt: Dr. Veronika Elbers in Indonesien

Nachgefragt Veronika Elbers
Pinsel Horizontal Weiss Oben

Merkst du eine unterschiedliche Behandlung/Stellung (im Team und von Einheimischen) als du jünger warst im Vergleich zu jetzt? Wie drückt sich das aus? 
Indonesien ist ein Vielvölkerstaat mit ganz unterschiedlichen Kulturen. Bei allen haben akademische Titel einen sehr hohen Stellenwert. Als ich noch ohne Doktortitel im Land gearbeitet habe, wurde ich weniger gehört und wahrgenommen. Mit Doktortitel hat mein Beitrag mehr Gewicht. Im WEC-Team spielt das natürlich – Gott sei Dank – keine Rolle.  
In den ersten Jahren in Indonesien fühlte ich mich oft weniger geschätzt als ein gleichaltriger Mann, was sich aber mit zunehmendem Alter geändert hat. Wenn ich z. B. heute von einer Gemeinde zum Predigen eingeladen werde, wird neben meiner Sprachkenntnis immer meine jahrelange Erfahrung betont. Ich habe das Gefühl, dass das oft meiner Predigt mehr Gewicht gibt und viele Türen zu Gesprächen mit Alt und Jung öffnet. 

Inwiefern ist es herausfordernd oder bereichernd mit jüngeren Teamkollegen oder Einheimischen zusammenzuarbeiten? 
Mit jüngeren Teamkollegen und Einheimischen zusammenzuarbeiten, empfinde ich als totale Bereicherung. Ich lerne viel dazu. Wir können neue Programme und Einsätze ausprobieren, ohne gegen sture „Köpfe und Systeme“ kämpfen zu müssen, da junge Leute viel flexibler sind als die ältere Generation. In der Studentenarbeit bereiten wir uns gerade auf die Alpha-Generation vor und versuchen, unsere Botschaft ihrem digitalen Kommunikationsstil anzupassen, ohne dabei Jesus im Zentrum zu verlieren. 

Was wäre in Indonesien respektloses Verhalten von Jüngeren dir gegenüber? 
Da man älteren Menschen Respekt zeigen muss, werden Beiträge von uns „Alten“ geschätzt. In der Regel werden die Vorschläge akzeptiert. In manchen Kulturen geht es sogar so weit, dass man zögert, Kritik anzubringen, da der Ältere vielleicht eingeschnappt sein könnte. Da Höflichkeit in allen Kulturen in Indonesien einen großen Wert hat, wäre es respektlos, einen älteren Menschen abzustempeln oder gar nicht zu beachten.  

Wie erlebst du den Umgang mit Internet und Social Media in deinem Team oder mit den Studenten? Wird zu viel vorausgesetzt oder kommst du gut damit zurecht? 
Social Media hat uns in der Team-Kommunikation sehr geholfen. Da wir schneller korrespondieren und uns per „Zoom“ zu einer Arbeitsbesprechung treffen können, genieße ich es sehr, keine langen Anfahrtszeiten zu haben, bis man das Team erreicht hat. Als ich in Indonesien begann, gab es noch nicht einmal Telefon, was die direkte Kommunikation erschwert hat. In der Studentenarbeit erlebe ich, dass wir ohne digitale Kommunikation nicht mehr arbeiten können. Leider haben unsere Studenten die schlechte Angewohnheit, oft nicht auf Nachrichten zu reagieren. Hinzu kommt, dass sie erst am allerletzten Tag eine Entscheidung treffen, ob sie z. B. zu einem Treffen kommen oder nicht. So hat alles seine positiven und negativen Seiten. 

Dr. Veronika Elbers lebt seit 1986 in Indonesien, unterrichtete 34 Jahre an verschiedenen theologischen Seminaren und hilft weiterhin bei der Mobilisation für weltweite Einsätze. Sie unterstützt die evangelische Studentenarbeit einer Uni.