Du arbeitest am Worldview Centre for Intercultural Studies, einer WEC-Bibelschule für Missionstraining in Australien. Welche Aufgaben hast du?
An der Bibelschule arbeite ich hauptsächlich als Lehrer. Daneben habe ich eine Teilzeitstelle als Pastor in der hiesigen anglikanischen Gemeinde.
Was magst du an deiner Arbeit am liebsten?
Ich lasse, je nach Fach, sehr gern meine praktischen Erfahrungen mit in den Unterricht einfließen. Bei Kirchengeschichte ist das etwas schwieriger.
WEC ist eine internationale Organisation. Wie viele Nationalitäten gibt es im Mitarbeiterteam am Worldview Centre und wie viele unter den Studierenden?
Unser Mitarbeiterteam umfasst derzeit sieben Nationalitäten, und unter den Studierenden sind mindestens vier weitere vertreten. Das ändert sich jedes Semester. Für eine eher kleine Bibelschule sind wir außergewöhnlich multikulturell.
Ist bei so vielen unterschiedlichen kulturellen Hintergründen die Zusammenarbeit oder das Zusammenleben nicht manchmal herausfordernd? Wie gehst du damit um?
In einer multikulturellen Gemeinschaft prallen viele unterschiedliche Weltanschauungen aufeinander. Genau deshalb leben wir hier bewusst zusammen: um voneinander zu lernen und gemeinsam zu erleben, wie Gott unsere Vielfalt zu Einheit formen kann.
Was schätzt du an Arbeit und Leben in einem multikulturellen Team?
Die verschiedenen Blickwinkel in einem multikulturellen Team erweitern den eigenen Horizont enorm. Durch gutes Zuhören lernt man viel über sich und andere. Diese Bereicherung ist für mich wertvoller als die gelegentlichen Missverständnisse.
Du hast selbst Missionserfahrung gesammelt. Wo warst du auf dem Missionsfeld und wie hast du dort die Zusammenarbeit im internationalen Team erlebt?
Seit ich mit 26 Jahren für den Missionsdienst aus Deutschland aufgebrochen bin, habe ich fast durchgehend in multikulturellen Kontexten gelebt: in einer internationalen Sprachschule in England, einer multikulturellen Bibelschule in Tasmanien und zwölf Jahre in Griechenland mit Mitarbeitern aus sieben Nationen. Seit 16 Jahren sind wir zurück an der Bibelschule.
Deine Ehefrau Sharon ist Australierin, d.h. auch zu Hause bist du in einer multikulturellen Situation. Wie prägt das eure Ehe und euren Alltag?
Nach 36 Jahren Ehe verstehen wir unsere kulturellen Unterschiede heute besser – trotz anfänglicher Schwierigkeiten. Es geht ja nicht nur darum, Unterschiede wahrzunehmen, sondern auch zu lernen, wie man damit umgeht. Wir Deutschen tun uns zum Beispiel oft schwer, unausgesprochene Signale richtig zu deuten, weil wir stark auf direkte Kommunikation setzen. Da haben wir viel voneinander gelernt.
Wie sieht ein optimaler freier Tag für dich aus?
Zeit mit Familie und Freunden sowie Ausflüge in die Natur („Bushwalking“) geben mir Ruhe und Erfrischung. Vor meinen zwei Hüftoperationen spielte Sport auch noch eine größere Rolle für mich.
Hast du noch etwas, was du dem Leser gern mitteilen möchtest?
Mit diesem Vers wünschen wir Ihnen Gottes reichen Segen: ‚Denn er ist unser Friede, der aus beiden eins gemacht hat und hat den Zaun abgebrochen, der dazwischen war, indem er durch sein Fleisch die Feindschaft wegnahm‘ (Eph 2:14).
Stefan Wagner lebt mit seiner Familie seit 2009 in Tasmanien und arbeitet an der WEC-Bibelschule für Missionstraining. Nebenbei ist er Pastor einer anglikanischen Gemeinde. Er genießt Gemeinschaft mit anderen und Sport.