Du bist Single, Hebamme, kinderlos – wie ist es dir damit über die Jahre auf dem Missionsfeld gegangen?
Meine Antwort lässt sich so zusammenfassen: Ehrlichkeit darüber mit Gott. Zu dieser Haltung hat mich Hiob ermutigt.
Mit 27 Jahren brach ich zu einem zweijährigen Kurzzeiteinsatz auf. Dass er zeitlich begrenzt war, hing auch damit zusammen, dass ich heiraten und viele Kinder haben wollte. Als später ein unbegrenzter Einsatz zur Diskussion stand, brachte ich das Thema Ehe und Familie ganz bewusst vor Gott. Beim Lesen von Philipper 4,19 – „Mein Gott aber wird all euren Mangel ausfüllen“ – hatte ich den Eindruck, Gott frage mich: „Bin ich dir nicht genug?“ Tief betroffen und beschämt antwortete ich: „Natürlich bist du mein Ein und Alles und absolut genug.“ Gleichzeitig nahm ich meinen Herrn in die Verantwortung, sich um meine Bedürfnisse und Gefühle als Frau zu kümmern. Ich bat ihn, mich am Ehe- und Familienglück anderer freuen zu lassen – ohne Neid oder Selbstmitleid. Und Gott war darin treu.
Welche Rolle hast du in Teamfamilien – in Bezug auf Eltern oder Kinder?
Das ist sehr unterschiedlich. Manchen Müttern tut es gut, sich mit einer anderen Erwachsenen austauschen zu können, auch jenseits von Familien- und Alltagsthemen.
Die Kinder genießen es oft, die volle Aufmerksamkeit einer „Tante“ zu haben. Solange sie klein sind, heißt das gemeinsam Türme bauen oder Bücher anschauen – mit der Mama in Reichweite. Ältere Kinder kamen gern zu mir in die Wohnung, zum Beispiel um sich von einer einheimischen Freundin Henna auf die Hände malen zu lassen. Mit der Einführung der Kinderschutzrichtlinien musste ich dafür sorgen, dass bei solchen Aktivitäten immer eine weitere erwachsene Person dabei ist. Das macht manches aufwändiger, ist aber wichtig und richtig.
Hast du Beziehungen zu ehemaligen MKs, die bis heute halten?
Nur zu wenigen. Dennoch interessiert mich, wie es ihnen geht. Deshalb frage ich gelegentlich bei den Eltern nach und bete für sie.
Inwieweit hast du dir Familienanschluss gewünscht – und inwieweit wurde er dir gewährt?
Familienanschluss im Sinne einer gemeinsamen Wohnung hatte ich nur zeitweise. Ich bin dankbar, dass ich an allen Einsatzorten entweder allein oder mit anderen Singles zusammenwohnen konnte. Es ist gut, nicht alles Familieninterne mitzuerleben oder bestimmte Erziehungsstile rund um die Uhr mitzutragen.
Gleichzeitig bereichern mich Teamfamilien sehr: gemeinsame Mahlzeiten, Unternehmungen oder Feste. Ich schätze auch die Einblicke in geistliche Themen aus der Perspektive von Eltern, Jugendlichen oder Kindern – Einsichten, die ich als Single sonst nicht hätte.
Welche praktischen Tipps würdest du Singles geben, die Missionarskinder begleiten möchten?
- Sieh das einzelne Kind: Höre zu, freue dich über Gelungenes, unterstütze sie mit deinen Gaben und Vorlieben.
- Sei ein Vorbild – besonders im Glauben.
- Präge ein gesundes Denken über Gastland und Heimat.
- Hilf ihnen, die Menschen und ihre Umgebung im Gastland zu lieben.
- Bete für sie!
Warda* lebt unter arabisch sprechenden Menschen. In jungen Jahren wurde sie von den Einheimischen mit „Schwester“ angesprochen, dann mit „Tante“ und, seit ihre Haare versilbert sind, mit „Großmutter”.
*Name geändert
Foto: privat