Aufwachsen zwischen Abschied und Neubeginn
Das Leben als Missionarskind (MK) kann manchmal ziemlich einsam sein. Man zieht regelmäßig um, und jedes Mal muss man versuchen, neue Freundschaften zu knüpfen – mit Menschen, die vielleicht anders aussehen, sich anders verhalten oder anders sprechen als man selbst, manchmal sogar alles gleichzeitig. Und wenn es schließlich gelungen ist, Freundschaften aufzubauen, muss man diese früher oder später wieder zurücklassen, um an einem neuen Ort von vorn zu beginnen.
Das ist die Erfahrung, die wir beide, Johanna und Tim, als Kinder gemacht haben. Das Leben unserer Familien im Missionsdienst war stets von vielen Reisen und Umzügen geprägt. Umso wichtiger war es uns, als wir unserem eigenen Ruf in die Mission folgten, uns an jedem neuen Ort bewusst um Freundschaften für unsere Kinder zu kümmern. Das ist für uns auch ein wichtiges Gebetsanliegen.
Ganz praktisch bedeutet das: Wir gehen mit ihnen zum Beispiel auf Fußballplätze oder einfach vor unser Haus, wo sie anderen Kindern begegnen können. Wir suchen nach Kursen oder Clubs vor Ort, die ihnen gefallen, und melden sie dort an. Außerdem ermutigen wir sie, neue Freunde nach Hause einzuladen, und halten unser Zuhause bewusst offen.
Lohnt sich das überhaupt?
Schon mit sechs Jahren stellte unser ältester Sohn Micah eines Abends – nach einem weiteren Umzug an einen neuen Ort – die Frage: „Warum muss ich immer wieder neue Freunde finden, nur um sie später zu verlassen?“
Und es stimmt: Es ist schwer, Freunde zurückzulassen – egal, ob es alte oder neue sind. Dennoch versuchen wir, unseren Kindern zu vermitteln, dass Gott uns in jedem Lebensabschnitt Gutes schenkt, zum Beispiel neue Freundschaften. Während wir uns in einem bestimmten Abschnitt befinden, dürfen wir dieses Gute in vollen Zügen genießen. Und wenn dieser Abschnitt zu Ende geht, ist es in Ordnung, traurig zu sein, weil wir etwas Liebgewonnenes zurücklassen. Gleichzeitig dürfen wir dankbar sein für das, was wir erleben durften, und uns auf das Neue freuen, das Gott bereits für uns vorbereitet hat.
Das ist nicht immer einfach. Doch wenn wir uns aus Angst vor Verlust verschließen, entgeht uns auch das Gute, das Gott für uns bereithält – und unser Leben wird deutlich ärmer.
Begleiten, vertrauen und dankbar sein
Wir sind keine perfekten Eltern – auch nicht für Missionarskinder. Aber die Tatsache, dass wir viele dieser Erfahrungen selbst gemacht haben, hilft uns sehr. Wir können aus unserem eigenen Erleben schöpfen und versuchen, unsere Kinder durch die Herausforderungen des MK-Lebens zu begleiten, zum Beispiel beim Knüpfen von Freundschaften. Gleichzeitig erleben wir als Familie immer wieder den Segen durch die vielen Menschen, die für uns und unsere Kinder beten und uns so unterstützen.
Johanna und Tim Schwab sind als Missionarskinder aufgewachsen und haben jetzt 3 eigene Kinder. Sie arbeiten mit dem WEC in Mexiko.
Foto: Privat