„Du kümmerst dich um deine Missionsarbeit – wir uns um deine Unterstützung.“ 

Tiedeck Ghana
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Von der Gemeindefrage zum Missionseinsatz 

„Können Sie sich vorstellen, dass ich als Missionar rausgehe und nicht Pfarrer werde?“ – diese Frage stellte ich einem Presbyter (Gemeindeältesten) der Jesus-lebt-Gemeinde in Essen-Burgaltendorf, wo ich damals als Vikar tätig war. Dahinter standen zwei Anliegen: Wurde mir die Eignung für den Missionsdienst zugetraut? Und wäre die Gemeinde bereit, Verantwortung für mich zu übernehmen? Ein solcher Schritt in die Mission bedeutete, dass ich aus dem kirchlichen Dienst ausscheiden würde und meine Mitarbeit bei einer Missionsgesellschaft durch Spenden getragen werden müsste.  

Die Gemeinde unterstützte bereits fünf Missionsprojekte weltweit, hatte jedoch noch keinen eigenen Missionar ausgesandt. Da die Gemeinde schon Kontakte zum WEC hatte, entschied ich mich, dort vorzusprechen. Die Gemeinde wünschte sich eine zweijährige Probezeit, einen Kurzzeiteinsatz, bei dem sowohl ich als auch die Gemeinde prüfen konnten, ob dies ein guter gemeinsamer Weg ist. 

Die Wahl des Einsatzlandes erfolgte pragmatisch: Gesucht wurde ein Ort, an dem ein Theologe gebraucht wurde und an dem Englisch gesprochen wird, da sich für zwei Jahre keine weitere Sprache intensiv erlernen ließ. So fiel die Entscheidung auf Ghana. 

Ein Trägerkreis trägt mit 

Die Gemeinde erfragte beim WEC die notwendigen Lebenshaltungskosten für Ghana und organisierte die finanzielle Unterstützung. Es entstand der „Freundeskreis Missionar Tiedeck“, dessen Mitglieder regelmäßig spendeten. Um die gesamte Organisation, Verwaltung der Spenden, Kommunikation und den Versand von Rundbriefen – noch lange vor der Zeit von E-Mails – kümmerte sich darüber hinaus ein sechsköpfiger „Trägerkreis”. Dabei galt ein Grundsatz: „Du kümmerst dich um deine Missionsarbeit – wir uns um deine Unterstützung.“ Schon ein halbes Jahr vor meiner Zeit beim WEC begann diese Unterstützung: Spenden wurden gesammelt, damit die Flugtickets und erste Ausgaben in Ghana bezahlt werden konnten.  

Nach Abschluss des Kurzzeiteinsatzes war für alle Beteiligten klar: Dieser Weg sollte fortgesetzt werden. Die Erfahrungen waren bereichernd, und wir erkannten darin Gottes Führung. Als später meine Frau Heike dazukam, reichten die Spenden weiterhin aus. 

Heute, 36 Jahre später, bin ich im Ruhestand. Viele Unterstützer sind uns über Jahrzehnte treu geblieben. Der „Trägerkreis“ hielt das Interesse an der Missionsarbeit von Tiedecks in der Gemeinde und im Freundeskreis lebendig – auch über personelle Veränderungen in der Gemeindeleitung hinweg. Besuche aus der Heimat sowie Briefe und Pakete – nicht zu vergessen: Gebet – waren uns stets eine große Ermutigung. 

Als wir 2004 nach Deutschland zurückkehrten, zeigte sich die Verbundenheit erneut ganz praktisch: Möbel, Haushaltsgegenstände und vieles mehr wurden für uns gesammelt. Einiges davon ist bis heute in Gebrauch – sichtbare Zeichen einer langjährigen, treuen Gemeinschaft. 

Wolfgang Tiedeck lebte mit seiner Familie in Ghana. Seit 2007 arbeitet er an der Missionsbibelschule Cornerstone in den Niederlanden – jetzt im Ruhestand ehrenamtlich. Er spielt gern Tischtennis.

Foto: privat