Es geht um Care, um Sich-Kümmern und Um-Sorgen in liebevoller und kompetenter Weise. Dabei stehen nicht die vielen Bedürftigen im Mittelpunkt, zu denen wir Mitarbeiter in verschiedene Teile der Welt senden, sondern die von uns Gesandten selbst. Member kann man als Team-Mitglieder verstehen, vielleicht noch mehr aber, nach 1. Korinther 12, als Glieder eines Leibes.
Mit dem spezifischen WEC-Fokus auf Unerreichte senden wir Mitarbeiter in oft herausfordernde Umstände, etwa hinsichtlich Sprache, Visumssituation, Gesundheit oder Sicherheit. Wenn wir Menschen in solche Kontexte entsenden, oder besser: an Gottes Sendung teilhaben, wollen wir auch an Gottes Fürsorge für sie mitwirken. Es geht nicht nur um ein erträgliches Leben und Dienen vor Ort, sondern darum, Herausforderungen zu bewältigen und langfristig fruchtbar zu bleiben.
Eine Haltung der Fürsorge
Member Care* ist zunächst eine Haltung aller am Sendungsgeschehen Beteiligten. Sie beginnt bei Gottes umfassender Fürsorge und der Selbstfürsorge der Gesandten und setzt sich fort im Bemühen der Menschen um sie herum. Hinzu kommen Mitarbeiter, die sich gezielt geistlicher Begleitung und Seelsorge widmen, sowie Fachleute mit besonderen Kompetenzen, etwa in Team-Building, Therapie oder Konfliktbearbeitung. Dabei bleiben stets alle Beteiligten im Blick, auch die Kinder.
Obwohl Member Care heute unverzichtbar erscheint, musste es sich erst als eigenständiger Arbeitszweig entwickeln. Der Aufwand lohnt sich: Untersuchungen** zeigen, dass ungeplant frühe Rückkehr von Mitarbeitern deutlich abnimmt, wenn gute Begleitung vorhanden ist. Anderen hilft diese, vital und engagiert zu bleiben.
Vorbereiten, begleiten, zurückkehren
Member Care richtet sich nicht nur auf die Zeit im Einsatzland, sondern umfasst genauso Vorbereitung und Rückkehr. In der Vorbereitung geht es oft darum, Menschen für Herausforderungen zu sensibilisieren. In unserem Orientierungskurs in Eppstein steuere ich beispielsweise einen Workshop zum Thema Stress bei: Welche persönlichen Muster gibt es, woran erkennt man Überlastung, und wie kann man angemessen darauf reagieren?
Während des Einsatzes ermöglicht das Internet heute z. B. eine regelmäßige Wegbegleitung per Video. Dabei geht es manchmal um konkrete Probleme, oft aber um das Reflektieren der gemachten Erfahrungen. Gleichzeitig werden persönliche Begegnungen, sei es durch Besuche oder regionale Angebote, geschätzt.
Auch die Rückkehr ist häufig komplexer, als man zunächst vermutet. Unsere Familie hat erlebt, wie ein guter Abschluss durch die sendende Gemeinde nicht einfach ein Ende bedeutete, sondern den Übergang in eine neue Form der Beteiligung am Missionsgeschehen.
Entwicklung und Wandel
Member Care entwickelt sich ständig weiter. Während frühere Generationen solchen Angeboten oft skeptisch gegenüberstanden, fragen viele jüngere Mitarbeiter heute gezielt nach Begleitung und beziehen sie sogar in die Wahl ihrer Sendeorganisation ein. Gleichzeitig werden unsere internationalen Teams kulturell vielfältiger und bringen neue Herausforderungen mit sich.
Unsere Welt wird komplexer und weniger vorhersehbar. Umso mehr sind individuelle Wege gefragt. Gerade darin zeigt sich Member Care als herausfordernde, zugleich aber lohnende Teilhabe am Leben geschätzter Kollegen: an ihrem geistlichen Herzschlag, ihren Stürmen und dem darin reifenden Segen.
Dr. Michael Kraus (56), ärztlicher Psychotherapeut und Teil unseres deutschen Leitungskreises, schätzt es, Gott mitten in der Schöpfung zu begegnen.
Foto: Symbolbild
*Mitarbeiterbegleitung
** Siehe etwa Blöcher, D. (2005): Member Care baut Missionare auf – Ergebnisse der ReMAP II-Studie. evangelikale missiologie 21:4-7.