In der Nachbarschaft gab es eine Hochzeit. Ich war eingeladen und traf junge Männer, die zur Feier gekommen waren. Sehr bald sprachen wir über das Thema Migration. Sie fragten mich: „Warum bist du hierhergekommen? Wir wollen weg von hier.“ Ich fragte die jungen Männer, warum sie wegwollen. Sie meinten, ihnen fehle die Hoffnung. Es gäbe keine Arbeit oder Ausbildung. Da hatten sie in gewissem Maße recht.
Und es sind nicht nur Einzelne, die wegwollen, sondern Tausende, die diesem Land später fehlen werden. Fast jede Familie hat jemanden, der versucht zu gehen oder schon gegangen ist. Einem jungen Mann hatten die Eltern den Pass weggenommen. Er verschwand trotzdem. Eine andere Familie verkaufte Haus und Auto, um die Reise bezahlen zu können – doch sie wurden wieder zurückgebracht. Aus Scham können sie sich nirgendwo mehr blicken lassen.
Als Ausländer bieten wir an einem abgelegenen Ort medizinische Hilfe an. Außerdem engagieren wir uns dafür, junge Leute auszubilden und Arbeitsplätze, zumindest im medizinischen Bereich, zu schaffen. So hatten wir einen Kurs für Pfleger. Da die jungen Leute auch sehr daran interessiert sind, eine Fremdsprache zu lernen, bieten wir zusätzlich Englischunterricht an.
Es ist eine große Frage, wie man Hoffnung geben kann. Hoffnung allein kann nur Gott schenken, aber wir sind seine Hände und Füße. Ich arbeite schon über sechs Jahre in diesem Krankenhaus. Außer mir sind noch andere Ausländer hier. Es ist kein „freies“ Land und so dürfen wir nur wenig sagen, aber die jungen Leute hier brauchen Vorbilder. Hoffnung und Zufriedenheit kommen nicht allein vom Geld, sondern von der Versöhnung mit Gott sowie dem Dienst am Nächsten. Dies möchten wir den Leuten hier zeigen.
Gott bereitet Gelegenheiten vor, mit Menschen in Kontakt zu kommen, bei der Arbeit, mit Nachbarn oder Kindern. Aus den Kontakten werden Freundschaften. Im Labor helfen mir einige Einheimische bei den Analysen. Ich habe ihnen einfache Tests beigebracht. Ein Mitarbeiter freute sich sehr über diese neue Fähigkeit und die Möglichkeit, in einem Krankenhaus angestellt zu sein. Während seiner Ausbildungszeit im Labor hat er seine Frau gefunden, ein sehr nettes Mädchen aus der Nachbarschaft. Ihre Familienmitglieder wurden meine besten Freunde. Unser ganzes ausländisches Team war zu einem Festessen im Garten des Mitarbeiters eingeladen. Er schlachtete extra eine Ziege für uns, seine Frau bereitete das Essen zu. Es ist ihre Art, Dankbarkeit auszudrücken.
Wir wünschen uns, dass durch das Krankenhaus noch viele Familien gesegnet werden und unsere Arbeit ein Zeichen der Hoffnung setzt – nicht nur für Kranke, sondern auch für junge Leute, die so erkennen, dass ihr Land eine Zukunft hat.
Eine Mitarbeiterin in Nahost