Ich schreibe aus einer kleinen Stadt in der Sahara. Tagsüber sieht man die rötlichen Berge, die die Stadt umgeben. Nachts kann man bei klarem Wetter einen wunderschönen Sternenhimmel betrachten. Ausländer gibt es hier nur wenige. Wenn ich über den Markt spaziere, wickle ich mich in das lange Tuch ein, das die Frauen hier üblicherweise tragen. Dann höre ich immer wieder Stimmen sagen: „Eine Ausländerin! Ist das eine Französin?” Manchmal antworte ich ihnen, und sie können kaum glauben, dass ich den lokalen arabischen Dialekt spreche.
Abgesehen vom Geschrei der Nachbarskinder, gelegentlicher Hochzeitsmusik oder Eselsgebrüll macht die Stadt einen ruhigen, beinah leblosen Eindruck. Passend dazu las ich während meines ersten Aufenthaltes hier die folgenden Bibelverse: „Sprich zu diesen dürren Knochen und fordere sie auf: Hört, was der HERR euch sagt: Ich bringe Geist in euch zurück und mache euch wieder lebendig! Ja, das verspreche ich, Gott, der HERR. Ich lasse Sehnen und Fleisch um euch wachsen und überziehe euch mit Haut. Meinen Atem hauche ich euch ein, damit ihr wieder lebendig werdet. Daran sollt ihr erkennen, dass ich der HERR bin“ (Hesekiel 37,4-6).
Hoffnung durch Bildung
Sehr passende Worte! Während ich las, stellte ich mir vor, wie unser Herr in den dürren Knochen in diesem Tal wirkt. Einige Sehnen sind bereits verbunden, Herzen beginnen sich zu öffnen. Aber die Knochen sind noch nicht lebendig geworden. Wenig später erfuhr ich, dass durch dieselbe Bibelstelle eine Kamerunerin vor etwa fünf Jahren dazu inspiriert wurde, in diese Stadt zu ziehen und ein Bildungszentrum, das sogenannte „Center“, zu eröffnen. Tragischerweise kam sie vor einem Jahr bei einem Unfall ums Leben. Seitdem wird das Center größtenteils von einheimischen Angestellten betrieben. Sie halten die Vision der Kamerunerin aufrecht und fördern Kinder und junge Menschen durch Bildung, um ihnen Hoffnung für die Zukunft zu geben.
Kinder, die wegen mangelnder Papiere nicht in reguläre Schulen gehen können, lernen im Center lesen und schreiben. Jugendliche und junge Erwachsene erwerben dort Englisch- und Informatikkenntnisse und bekommen Praktikumsplätze in Unternehmen vermittelt.
Hoffnung auf neues Leben
Aber noch viel wertvoller als Bildung und die Aussicht auf einen guten Job ist das neue Leben, das nur unser Herr in die Menschen hier einhauchen kann. Derzeit gibt es in dieser konservativen muslimischen Stadt nur eine Handvoll einheimischer Gläubige, die heimlich Jesus folgen.
Bete mit mir, dass Gott, der Herr, seinen Atem in die zahlreichen geistlich toten Menschen dieser Stadt einhaucht, damit sie zum Leben erwachen (siehe Hesekiel 37,9). In anderen Regionen dieses Landes geschieht das bereits. In der Hauptstadt trifft sich jede Woche eine Gruppe einheimischer Gläubige. Sie beten und fasten für die vielen Menschen, die noch im Islam gefangen sind. Schließ dich ihnen an und bete für neues Leben in den dürren Knochen der Sahara.
Grace