Was ist ein MK, was ein TCK?
Ein Missionarskind (MK) kann im In- oder Ausland aufwachsen, da manche Eltern zur missionarischen Arbeit in ihrer eigenen Heimat berufen sind. Wächst ein Kind im Ausland auf, zählt es zugleich zu den sogenannten Third Culture Kids (TCKs).
Third Culture Kids sind Menschen, die einen bedeutenden Teil ihrer Entwicklungsjahre außerhalb der Kultur ihrer Eltern verbringen. Ein TCK wird dabei sowohl von der Heimatkultur seiner Eltern als auch von den Kulturen des Einsatzlandes geprägt und dadurch in seinem interkulturellen Verständnis bereichert. Es fühlt sich mit den verschiedenen, ihm vertrauten Kulturen verbunden, kann sich aber mit keiner vollständig identifizieren. Kinder, die ihre Eltern in eine andere Kultur begleiten, entwickeln eine spezifische Lebensweise, die ihnen allen gemeinsam ist, unabhängig davon, aus welchem Land sie kommen und wohin sie gehen.¹
Chancen und Herausforderungen im Leben eines TCKs
TCKs zeichnen sich häufig durch hohe Mobilität aus. Sie sprechen oft mehrere Sprachen, sind anpassungsfähig, beziehungsorientiert und verfügen über ausgeprägte kulturübergreifende Kompetenzen.
Gleichzeitig bringt diese Lebensweise Herausforderungen mit sich. Viele TCKs erleben Identitätsfragen intensiv und fühlen sich wurzellos. Sie bewegen Fragen wie „Wer bin ich?“, „Wo ist meine Heimat?“ oder „Wo gehöre ich dazu?“
Ein zentrales Thema ist das Abschiednehmen. Nicht nur im Heimatland der Eltern heißt es oft Abschied zu nehmen, sondern auch im Gastland. Andere TCKs, die sie zurücklassen, sind bei ihrer Rückkehr vielleicht weitergezogen. Die vielen Abschiede von Menschen, Orten und Dingen können ein starkes Verlustgefühl hervorrufen. Bewusstes Abschiednehmen hilft, am neuen Ort anzukommen.
Rückkehr in die Heimat der Eltern
Als wir 2010 nach Deutschland zurückkehrten, wurde uns bewusst, welche Herausforderungen dies für unsere damals 16- und 13‑jährigen Kinder bedeutete. Äußerlich passten sie mit blondem Haar und heller Haut gut in ihr Umfeld, innerlich waren sie jedoch „versteckte Immigranten“. Ihr Wertesystem hatte sich in Afrika und an einer internationalen Internatsschule im Miteinander mit Jugendlichen aus vielen Kulturen entwickelt.
Wie können Eltern, Freunde und Mission unterstützen?
TCKs erleben Veränderungen und Verluste oft als schmerzhaft. Echtes Interesse, offene Fragen und aufmerksames Zuhören können entlastend wirken.
Regelmäßige Gesprächszeiten in der Familie sind gerade in Übergangsphasen wichtig. Kulturwechsel bedeuten Stress: neue Verhaltensweisen, Essgewohnheiten oder soziale Regeln. Jedes Familienmitglied sollte Gefühle ausdrücken dürfen. Hilfreiche Fragen können sein: “Wofür bin ich dankbar? Was war schwer? Wo habe ich Liebe erfahren oder vermisst?”²
MK‑Care bietet Re‑Entry‑Freizeiten für verschiedene Altersgruppen an. Viele TCKs sagen danach: „Ich konnte einfach ich selbst sein.“ Das Zusammensein mit anderen TCKs vermittelt Zugehörigkeit.³
Mein Gebet für alle TCKs ist, dass sie ihre Andersartigkeit als Stärke entdecken und ihre Identität in Jesus finden. Wir dürfen Gott dankbar sein, dass Jesus Christus TCKs versteht, liebt und begleitet: Er verließ die Heimat beim Vater im Himmel und verbrachte selbst einen Teil seiner Kindheit als Fremder im Ausland, in Ägypten.
Mein persönliches Gebetsanliegen ist, dass ich meine Rolle als MK-Beauftragte an eine(n) Nachfolger(in) übergeben kann.
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¹ Definition nach David Pollock und Ruth van Reeken
² Ulrika Ernvik: Webseite auf Schwedisch und Englisch: Familjeglädje – Stärk din familj med kärlek och kunskap
Ein Buch von Ulrika Ernvik zum Thema ist bei Amazon auf Englisch sowohl als Taschenbuch, als auch Kindle erhältlich: Third Culture Kids: A Gift to Care For : Ernvik, Ulrika: Amazon.de: Bücher
³ MK-Care: Termine und weitere Ressourcen siehe Webseite: www.mk-care.org u. a. „Missionarskinder im Fokus“- wie man für sie beten kann!
MK Care ist ein Arbeitskreis der AEM (Arbeitsgemeinschaft Evangelikaler Missionen), der sich mit der besonderen Situation von MKs beschäftigt.
TCK Training Deutschland bietet Workshops und Materialien für TCKs, Eltern und Begleitpersonen an. www.tcktraining.com/german
Foto: Symbolbild