Ein persönlicher Weg in die Interkulturalität
Mein Interesse an interkulturellen Ehen ist zutiefst persönlich: Seit über 25 Jahren lebe ich selbst in einer solchen Beziehung. Als Brasilianerin, verheiratet mit einem weißen Südafrikaner, habe ich mehr als die Hälfte meines Lebens in der interkulturellen Vollzeitmission verbracht. Unsere zwei erwachsenen Kinder, geboren in Brasilien und Großbritannien, sind britisch geprägt und typische „Dritte-Kultur-Kinder“*. Multikulturalität ist für uns Alltag.
Während meines Lebens auf drei Kontinenten bin ich vielen Missionarsehepaaren begegnet, die ebenfalls interkulturell verheiratet sind. In Gesprächen tauchten wiederkehrende Muster auf: Paare schilderten die Spannung, die entsteht, wenn sie die Kultur des Partners respektieren möchten und zugleich befürchten, die eigene zu verlieren. Daraus wuchs meine Leidenschaft, interkulturelle Ehen gezielt zu begleiten.
Der interkulturelle Ehe-Alltag
Interkulturelle Paare tragen unterschiedliche Klangwelten, Gerüche, Sprachen und Kindheitserinnerungen in sich. „Nach Hause fahren zu Weihnachten“ bedeutet oft Reisepässe, Jetlag und Kulturschock. Am Esstisch treffen Curry, Sushi und Carbonara aufeinander, und im Alltag begegnen sich verschiedene Kommunikationsstile, Familienbilder und Erwartungen an Gemeinschaft. Diese Kontraste sind oft bereichernd, manchmal herausfordernd und zeigen die Tiefe eines gemeinsamen Lebens über kulturelle Grenzen hinweg.
Die verborgenen Spannungsfelder
Viele Paare erleben ihre Unterschiede als wertvoll, zugleich aber als anspruchsvoll. Kulturelle Prägungen beeinflussen Konfliktmuster, Rollenverständnisse, Zeitkonzepte, Finanzentscheidungen und familiäre Erwartungen. Ihre komplexe Realität wird selbst in missionarischen Kontexten oft unterschätzt. Entwurzelung, stille Trauer und Identitätsfragen bleiben häufig unbemerkt. Auch ich selbst kenne das Gefühl, gleichzeitig zuhause und auch fremd zu sein.
Die Chancen einer interkulturellen Ehe
Jede interkulturelle Ehe lädt dazu ein, tiefere Werte und Prägungen des anderen zu entdecken. Wie Edward Hall betont, hilft uns die Begegnung mit einer anderen Kultur, unsere eigene besser zu verstehen. Als Organisation können wir viel beitragen, indem wir aufmerksam zuhören, begleiten und die Vielfalt dieser Paare würdigen.
Für mich bedeutet interkulturelle Ehe letztlich: die bewusste Entscheidung, ein Leben lang rund um die Uhr interkulturell zu leben und zu dienen.
Wania Honman ist Brasilianerin und arbeitet bei WEC UK als Leiterin der Abteilung für Member Care und Personalwesen. Sie ist Co-Autorin eines Buches über interkulturelle Ehen, schätzt Filterkaffee und schwimmt gern.
* Der Begriff “Dritte-Kultur-Kinder“ bezieht sich auf die Hybridkultur, die entsteht, wenn Kinder in einer Kultur aufwachsen, die sich von der ihrer Eltern unterscheidet