Brücken bauen hinter den Kulissen

Screenshot 2026 02 06
Pinsel Horizontal Weiss Oben

Für mich sieht jeder Tag in unserer Zentrale in Eppstein anders aus. Manchmal fühlt es sich an wie in einem kleinen Bienenstock: Hier ein Gespräch, dort Papierkram, zwischendrin Telefonate, Interviews, E-Mails, Vorbereitungskurse und Veranstaltungen. Routinen gibt es kaum, und der Stapel an scheinbar nebensächlichen To-dos scheint sich von selbst zu vermehren. 

In solchen Momenten schleicht sich bei mir manchmal Unsicherheit ein: „Wie trägt meine Arbeit eigentlich dazu bei, dass Unerreichte Jesus kennenlernen?“ Doch wenn ich bewusst einen Schritt zurücktrete, merke ich, wie die vielen kleinen, unscheinbaren Handgriffe zu Schritten auf Wegen werden, die Gott formt – oft leise, aber mit erstaunlichem Weitblick. 

Eine Begegnung 
Genauso ging es mir mit Selma*. Zum ersten Mal begegnete ich dieser jungen Frau im Januar 2024 auf der JUMIKO in Stuttgart. Sie blieb an unserem Stand stehen und wir kamen ins Gespräch – über Mission, den Nahen Osten und darüber, wie Gott ihr Herz bewegt. Die Frage, was als Nächstes dran sei, beschäftigte sie sehr. Bevor wir uns verabschiedeten, erzählte ich ihr aus einem Impuls heraus von einem bestimmten Team im Nahen Osten. Wir beteten zusammen und sichtbar bewegt verabschiedete Selma sich: „Ich melde mich.“ 

Monate vergingen, keine Nachricht. Auch ich vergaß unser Gespräch – bis im November plötzlich eine E-Mail in meinem Postfach aufblinkte. Selma schrieb, dass unser Gespräch sie nicht losgelassen habe. Sie wolle ihre Semesterferien nutzen, um Erfahrungen in Mission zu sammeln und zu prüfen, ob Gott sie langfristig ruft. 

Gottes Timing 
Als Team lernten wir sie beim Bewerberinfotag näher kennen und entschieden, sie zu begleiten. Bestärkt wurden wir dann dadurch, dass genau an diesem Wochenende überraschend ein Mitarbeiter aus dem genannten Team unsere Zentrale besuchte. Und so konnten sich die beiden ausführlich über Leben und Dienst vor Ort austauschen. Darin sahen wir alle Gottes Führung. 

Auf dem Weg zu den Unerreichten 
Gemeinsam bereiteten wir Selma auf den Einsatz vor: kulturell, geistlich, praktisch und organisatorisch. Ihre Ausreise war für Juli geplant, doch aufgrund neuer Unruhen im Nahen Osten (Sommer 2025) musste sie verschoben werden. Während dieser Zeit des Bangens und Hoffens durfte ich sie weiter begleiten, Schritte sortieren, Möglichkeiten aufzeigen und sie ermutigen. Bei der Mission Possible-Konferenz (November 2025) lernte sie unsere Nahost-Teamleitung persönlich kennen und wurde sehr bestärkt für den Dienst unter Moslems. Ein neuer Ausreiseversuch steht im Februar 2026 an. 

Im Hintergrund 
Ob Selma langfristig in die Mission gehen wird, wissen wir nicht. Aber bald wird sie unserem Team helfen, einer unerreichten Volksgruppe zu dienen. Für mich ist es ein Vorrecht, Zeugin ihres Weges mit Gott zu sein und im Hintergrund Brücken mitzubauen: Steine mit ihm aus dem Weg zu rollen, die er zu Wegen formt. 

Wenn du mittragen möchtest, freue ich mich, wenn du Selma im Gebet begleitest, für meine Arbeit mitbetest und auch unser knapp besetztes Team in der Zentrale vor Gott bringst – damit er weitere Brückenbauer ruft. 

*Name geändert 

Clio ist seit 2022 eine Einsatz-Koordinatorin der deutschen WEC-Zentrale. Sie ist eigentlich Wienerin mit einer Prise italienischer Leidenschaft, die sich aber als Deutsche tarnt.